Jakobsweg 2007 - Mit dem Fahrrad von Dortmund nach Santiago de Compostela
08.05.2007 - Tag 11 - Dienstag (Bilder des Tages - Tagestelegramm)

Schöne Freunde. Am 8. Mai in Frankreich.

Heute Morgen habe ich den Deutschland-Wimpel, den ich speziel auf dieser Reise normalerweise an meinem Fahrradheck befestigt habe (*siehe Anmerkung) in der Packtasche gelassen. Besser so, denn die Franzosen feiern heute ihren Sieg über Deutschland. Das ist ihr gutes Recht und sie haben genug Grund dazu. Überall auf der Fahrt kommen wir an geschmückten Kriegerdenkmälern vorbei.

Unsere Route führt uns zunächst von Tonnerre auf der D965 steil aufwärts nach Chablis. Die Chablis-Weine, die hier hergestellt werden sind ganz besondere Tropfen. Schade, dass wir achtlos an den Schildern die zur Degustation auffordern vorbeifahren müssen. Alles was wir hier kaufen und mitnehmen können sind einige Gebäckteilchen von der Boulangerie an der Hauptstrasse.

Um nicht durch die Großstadt Auxerre zu müssen, biegen wir in Chablis nach links von der D965 auf kleinere Nebenstrassen ab. Als wir durch das Dorf Ouanne kommen findet am Kriegerdenkmal gerade eine Gedenkfeier statt. Die reichlichen Teilnehmer sehen uns vorbeifahren und nicken uns zu. Vermutlich hält man uns in unseren orangefarbenen Regenjacken eher für Holländer. Spätestens an dieser Stelle wäre meine Fahne am Fahrrad doch daneben gewesen.

Erst jetzt fällt mir auf, dass es zumindest in diesem Teil Frankreichs kein Dorf zu geben scheint, in dem es nicht eine Straße oder einen Platz des
8. Mai 1945 gibt. Und vielleicht kommt es mir ja auch nur so vor, aber ich habe den Eindruck, dass uns die Franzosen heute betont unfreundlich gesonnen sind.

Nach etwa 70 Tageskilometern beginnen wir ein Zimmer für die Nacht zu suchen. Jedoch können wir fragen wo wir wollen. Auf wundersame Weise sind heute angeblich alle Hotels in Frankreich geschlossen oder komplett. Das geht uns in St. Sauveur so, das geht uns in St. Amand so, das geht uns in jedem Ort den wir durchfahren so. Alles komplett und keine hilfreichen Auskünfte.

Wir fahren und fahren. Die Strecke ist alles andere als schön. Berge, Berge, Berge. Wir fahren im Hamstergang und trotzen dem Gegenwind. Allmählich wird es spät und wir werden müde. 80 KM, 90 KM, 100 KM... nichts zu machen. Zum Schluss versuchen wir uns, deutlich weiter als für heute geplant, bis ins Loiretal zu retten. Gegen 19 Uhr erreichen wir Neuvy sur Loire. Doch hier, obwohl es genug Hotels gibt, das gleiche Bild. Geschlossen oder komplett. Wer's glaubt kommt in den Himmel. Inzwischen geht es auf 20.00 Uhr zu. Es beginnt dunkel zu werden, es ist schweinekalt und regnet in Strömen. Wir fahren bei heftigem Gegenwind auf der N7 durch das Loiretal. Als wir 120 KM Tagesleistung auf dem Tacho haben sind wir durchgefroren, nass bis auf die Haut, kaputt und genervt. Ausserdem ist es inzwischen wirklich dunkel.

Jetzt wollen wir eigentlich nur noch den nächsten Ort erreichen und versuchen unser Problem an die Gendarmerie abzutreten. Die können uns ja nicht verrecken lassen. Doch da ist noch ein Hotel direkt an der Nationalstraße auf der wir fahren. Ein Mann, scheinbar der Inhaber, will gerade wegfahren. Ich fahre quer über die Strasse, spreche ihn an und er erkennt unsere Situation. Eigentlich ist geschlossen, aber wir bekommen trotzdem ein Zimmer und sind für diese Nacht gerettet.

Die freundliche Frau des Hoteliers macht die Heizung an. Wir können duschen und uns aufwärmen. Und gegenüber des Hotels gibt es ein spanisches Restaurant, in dem wir auch noch ein richtig gutes Abendessen bekommen. Dazu ein Liter Wein und dann können wir auch wieder lachen. Aber ob wir morgen unsere Reise fortsetzen oder am nächsten Bahnhof abbrechen ist jetzt noch offen.

Nun, heute wo ich diese Zeilen schreibe wissen wir, dass wir nicht abgebrochen haben. Aber dies ist die Stelle, an der wir uns noch mal ganz ausdrücklich bei den Inhabern des Logis de France Hotels Le Clos du Vigneron in Ousson sur Loire bedanken möchten. Wir wissen nicht, wie die Geschichte ohne dieses freundliche und hilfsbereite Ehepaar weitergegangen wäre.

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Abschnitt 1. Ruhr und Rhein. Von Dortmund bis Koblenz.

Abschnitt 2. Die Mosel. Von Koblenz bis Metz.

Abschnitt 3. Über Land. Von Metz zur Loire.

Abschnitt 4. Die Loire. Von Cosne bis Nantes.

Abschnitt 5. Der Atlantik. Von Nantes bis Biarritz.

Abschnitt 6. Biarritz - St. Jean Pied die Port

Abschnitt 7. Der Camino Frances. Von St. Jean Pied de Port bis Santiago de Compostela.



Impressum:
Armin Emmerich
Kosselstr. 45
44369 Dortmund. mailto@armin-emmerich.de

Bilder des Tages
Aufbruch in Tonnere.
Die Franzosen haben Grund zum Feiern.
Gerettet
Aufbruch in Tonnere.
Die Franzosen haben Grund zum Feiern.
Jetzt geht es uns wieder besser. Abendessen beim Spanier.

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Tagestelegramm
Startort - Zielort Tonnere - Ousson sur Loire
Unterkunft am Zielort Hotel Le Clos du Vigneron
Bemerkung zur Unterkunft Extrem freundliche Inhaber. Schöne Zimmer in einem Gebäude im Garten hinter dem Haupthaus.
Tagesleistung in KM 122
Gesamt - KM bis hier 1059
Wetter Kalt und Regen, Regen, Regen.
Besonderheiten Heute standen wir nahe am Reiseabbruch.

Links zu nützlichen Jakobsweg-Informationen