
Muttertag.
Das haben die hier an der Loire praktisch eingerichtet. Nachdem es in der Nacht erneut heftig geregnet hat, begrüßt uns der neue Tag kurz nach dem Aufstehen wieder mit der ersten Sonne. Wir frühstücken im Hotel und machen uns ans Beladen unserer Fahrräder. Dabei lösen wir bei einer Gruppe Franzosen, die im selben Hotel wie wir übernachtet hat und sich gerade auf das Einsteigen in ihren Bus vorbereitet, wahre Begeisterungsstürme aus.
An unseren Jakobsmuscheln werden wir als Jakobspilger erkannt und müssen der erstaunten Gruppe eine Menge Fragen beantworten. Dass wir von Deutschland mit dem Fahrrad bis hierher gekommen sind, ist ja schon kaum zu glauben. Aber dass wir jetzt auch noch bis nach Santiago de Compostela mir den Fahrrädern weiter wollen, ist für die Leute schlicht unvorstellbar. So verzögert sich unsere Abfahrt heute etwas, was aber nichts macht. Zum Schluss bekommen wir eine Menge gute Wünsche und ein vielfaches Bon Courage mit auf den Weg. Und wir erhalten für unsere Ankunft in Santiago de Compostela den ersten Grußauftrag an Saint Jaques. Wir versprechen die Grüße auszurichten und kommen endlich los.
Dank des verkehrsarmen Sonntags gelingt es uns nun zügig aus Tours herauszukommen. Fast schon schade, denn die Stadt zwischen den Flüssen Loire und Cher war bisher die schönste Stadt auf unserer Strecke. Sehenswert und wiederkommenswert.
Helga bekommt ihr Muttertagswetter. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und - nicht zu fassen - Rückenwind! So fliegen wir beinahe die ersten 20 Kilometer den (oder die?) Cher entlang. An der Mündung des (oder der?) Cher in die Loire machen wir die erste Pause. Dann geht es weiter, jetzt wieder am Ufer der Loire. Wie schön doch naturbelassene Flußlandschaften sind. Fir fahren durch einsame, fast menschenleere Gegenden. Felder, Wiesen, Wald, Blumen, der Fluss...
Etwa um die Mittagszeit ist dann allerdings erst mal Schluss mit Muttertag. Bewölkung zieht uns entgegen und dann müssen wir uns durch ein ziemliches Unwetter mit heftigem Regen und jetzt wieder stürmischem Gegenwind kämpfen.
Etwa 10 Kilometer vor Saumur, unmittelbar nach der Durchfahrt durch das Örtchen Parnay, werden wir auf einem Schild darauf hingewiesen, dass wir genau in diesem Moment den 0-Meridian überfahren. Entlang dieser Linie hatten die Franzosen ja zur Jahrtausendwende ein Riesenspektakel veranstaltet. Wir rollen locker rüber und merken eigentlich nichts Besonderes. Ansonsten ist diese Gegend von Champignonzucht geprägt. In den steilen Felsen, die sich in Fahrtrichtung links von der Loire erheben, befinden sich eine Menge Höhlen in denen Champignons gezüchtet werden. Sogar ein Champignon-Museum gibt es hier. Das Museum ist leicht zu finden. Man muss sich nur an dem weit sichtbaren mindestens 20 Meter hohen Riesenchampignon auf einem Felsen vor dem Museum orientieren.
Schließlich erreichen wir unseren heutigen Zielort und als wir gegen 16.00 Uhr unser Hotelzimmer in Saumur beziehen, scheint kurz darauf schon wieder die Sonne.
Das Flußbett der Loire bei Saumur ist sehr breit. In der Flußmitte ist eine recht große mit Wohnhäusern, Geschäften und Hotels bebaute Insel die über eine Brücke mit der eigentlichen Stadt verbunden ist. Unser Hotel steht auf dieser Insel und von unserem Fenster aus blicken wir über die Loire auf die Stadt. Die meisten Häuser der Stadt sind aus weißem Tuffstein erbaut und das Chateau de Saumur aus dem 14. Jahrhundert thront hoch über dem Fluss. Ein hübsches Bild, welches Saumur auch den Beinamen "Perle der Anjou" einbrachte.
Während unserer Stadtbesichtigung werden wir von einem heftigen Regenschauer "überrascht", welchen wir bei einem Glas Pastis unter dem Regendach einer Bar im Stadtzentrum aussitzen. Dann gehen wir zum Hotel zurück, wo wir im Hotelrestaurant mit schönster Aussicht auf die Stadt unser Abendessen genießen.
Abschnitt 2. Die Mosel. Von Koblenz bis Metz.
Abschnitt 3. Über Land. Von Metz zur Loire.
Abschnitt 4. Die Loire. Von Cosne bis Nantes.
Abschnitt 5. Der Atlantik. Von Nantes bis Biarritz.
Abschnitt 6. Biarritz - St. Jean Pied die Port
Abschnitt 7. Der Camino Frances. Von St. Jean Pied de Port bis Santiago de Compostela.
| Startort - Zielort | Tours - Saumur |
| Unterkunft am Zielort | Hotel Merkur, La Loire |
| Bemerkung zur Unterkunft | Hübsch auf der Loireinsel Les Ponts mit Blick auf die Stadt gelegen. Tip: Gutes Hotelrestaurant mit schöner Aussicht über die Loire zur Stadt. |
| Tagesleistung in KM | 82 |
| Gesamt - KM bis hier | 1375 |
| Wetter | Sonnig, Regen, Sonnig. Bis 26 °C |
| Besonderheiten | In Tours bekommen wir Grüsse an Jacobus mit auf den Weg. Wir nehmen sie gerne mit und werden sie ausrichten. |
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