Jakobsweg 2007 - Mit dem Fahrrad von Dortmund nach Santiago de Compostela
26.05.2007 - Tag 29 - Samstag (Bilder des Tages - Tagestelegramm)

Nach 2236 KM Anlauf: Saint Jean Pied de Port.

Als um 7.00 Uhr der Weckruf unseres Handys ertönt, erwachen wir bei bestem Pilgerwetter. Es regnet heftig wie vorhergesagt. Aber was solls. Ärgern kann uns das Wetter, stoppen nicht. Wir packen unsere Sachen zusammen, verzichten auf das Frühstück und fahren los. Trotz schlechter Beschilderung finden wir zum Glück ganz gut aus Biarritz raus. Jeder Versuch, sich auf der Karte zu orientieren, hätte unweigerlich zu Papiermatsch geführt.

Als wir die nach St. Jean Pied de Port führende D932 erreichen, sind wir trotz wirklich guter Regenkleidung bereits nass bis auf die Haut. Der Regen läuft einfach überall rein. Die ersten 15 KM auf der vierspurig wie eine Autobahn ausgebauten Straße ist der blanke Horror. Es ist in der Tat so, als würde man mit dem Fahrrad auf dem Randstreifen der Autobahn fahren. Und das bei dem Wetter. Jeder der sekündlich an uns vorbeirasenden Autos verschafft uns eine neue Dusche. Ein frisch in die Böschung geraster und überschlagener Wagen macht uns die Gefährlichkeit unseres Tuns noch mal zusätzlich bewusst. Die Polizei ist zum Glück kurz vor uns an dem Unfallort angekommen, so dass wir uns wenigstens nicht auch noch darum kümmern müssen. Als wir an den Polizisten vorbeiradeln rechne ich fest damit, einen Anschiss zu bekommen und von der "Autobahn" gejagt zu werden. Aber nichts. Wir radeln an den Blauen vorbei und keiner sagt was. Offensichtlich darf man hier tatsächlich Fahrrad fahren.

(Hinweis für andere Radpilger: Es gibt etwas abgelegene ruhige Nebenstrassen die am Fluss Nive entlang auch Richtung Saint Jean Pied de Port führen. Die Strecke ist bergig und man muss sich oft neu orientieren wo es lang geht. Das war uns bei dem Sauwetter gar nicht möglich. Daher haben wir uns für die einfach und sicher zielführende D932 / D918 entschieden. Bei besserem Wetter würden wir das nicht noch mal tun. Bei schlechtem Wetter aber vermutlich auch nicht.)

Etwa ab Cambo les Bains lässt das Verkehrsaufkommen etwas nach und wir können uns für den Rest der Strecke bei mäßigem Verkehr durch Regen und Steigungen kämpfen. Von der Landschaft und den Bergen um uns herum bekommen wir wenig zu sehen. Gelegentlich lässt ein Wolkenloch erahnen wie toll es hier bei schönem Wetter sein muss.

Nach 56 KM kommen wir gegen 13.30 Uhr in Saint Jean Pied de Port an. Der Versuch, den ersehnten Moment mit dem Fotoapparat festzuhalten, endet mit der Erkenntnis, dass unsere Digi-Cam diese Etappe leider nicht überstanden hat. Nass geworden und wohl unwiderruflich kaputt.

Wir finden unser Hotel und sind ganz zufrieden, dass wir reserviert haben. So wie wir aussehen, hätte man uns möglicherweise was von ausgebucht erzählt. Die ersten zwei Stunden im Hotel brauchen wir heute, um ausser uns selbst auch unsere Sachen trocken zu legen. Wasser überall. Hoffentlich bekommen wir bis morgen alles wieder trocken und halbwegs sauber.

Aber jetzt sind wir erst mal hier. Nach 2236 Kilometern Anlauf sind wir in Saint Jean Pied de Port, dem Ort, den die meisten mit dem Startpunkt des Jakobswegs verbinden.

Nach dem Trockenlegen machen wir einen Gang durch den Ort, wobei uns unser erster Weg in die Rue de la Citadelle 39 führt. Dort, in der Accueil Saint Jacques, lassen wir uns von Madame Curatchet für den Jakobsweg registrieren und erhalten unseren Stempel in den Pilgerausweis. Danach kaufe ich erst mal einen einfachen Einmal-Fotoapparat, um wenigstens einige Bilder hier machen zu können. In Pamplona bekomme ich dann am Montag hoffentlich eine neue Digi-Cam.

Wir besichtigen den Ort, der in erster Linie aus Pilgerherbergen und Touri-Läden mit dem üblichen Ramsch besteht noch zuende. Dann essen wir in einem Cafe ein Sandwich und begeben uns für den Nachmittag in unser Hotelzimmer. Abendessen gibt es erst um 20.00 Uhr. Morgen warten 1200 Höhenmeter auf uns und da wollen wir ausgeruht rangehen.

Das Abendessen im Hotel les Pyrenes ist grandios. Auch der Wein, ein 75er Bordeaux St. Emilion ist ein unglaublicher Genuss. Hotel, Abendessen und Wein sprengen unseren Tagesetat in jeder Hinsicht, aber um unsere Ankunft in Saint Jean Pied de Port gebührend zu feiern, lassen wir diese Ausnahme hier mal zu.

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Abschnitt 1. Ruhr und Rhein. Von Dortmund bis Koblenz.

Abschnitt 2. Die Mosel. Von Koblenz bis Metz.

Abschnitt 3. Über Land. Von Metz zur Loire.

Abschnitt 4. Die Loire. Von Cosne bis Nantes.

Abschnitt 5. Der Atlantik. Von Nantes bis Biarritz.

Abschnitt 6. Biarritz - St. Jean Pied die Port

Abschnitt 7. Der Camino Frances. Von St. Jean Pied de Port bis Santiago de Compostela.



Impressum:
Armin Emmerich
Kosselstr. 45
44369 Dortmund. mailto@armin-emmerich.de

Bilder des Tages (Aus wettertechnischen Gründen nur vom Zielort)
Saint Jean Pied de Port. Jakobsweg.
Saint Jean Pied de Port
Saint Jean Pied de Port
Blick auf Saint Jean Pied de Port
Blick auf Saint Jean Pied de Port
Saint Jean Pied de Port

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Tagestelegramm
Startort - Zielort Biarritz - Saint Jean Pied de Port
Unterkunft am Zielort Hotel Les Pyrenees
Bemerkung zur Unterkunft Echte Nobelherberge. Muss man nicht haben, darf man sich aber ausnahmsweise auch mal gönnen.
Tagesleistung in KM 56
Gesamt - KM bis hier 2236
Wetter Sauiger geht es nicht. 12 °C
Besonderheiten Nach 2236 KM Anlauf werden wir offiziell für den Jakobsweg registriert.

Links zu nützlichen Jakobsweg-Informationen