Jakobsweg 2007 - Mit dem Fahrrad von Dortmund nach Santiago de Compostela
29.05.2007 - Tag 32 - Dienstag (Bilder des Tages - Tagestelegramm)

Quäl Dich Du Sau!

Für unsere heutige Etappe nach Estella gibt es zwei mögliche Routen. Die klassische über Puenta La Reina führt immer an der Autobahn entlang. Sie ist laut, stinkig, verkehrsreich und weist Steigungen auf. Die alternative Route führt mitten durchs Gebirge. Sie ist ruhig, landschaftlich traumhaft schön, fast verkehrsfrei und sie weist brutale und extrem lange Steigungen auf. Wir denken an den Spruch, den einst Udo Bölts dem noch jungen Jan Ulrich zugerufen hat (quäl Dich Du Sau!) und wählen die Berge.

Nach einigen Problemen aus Pamplona raus und auf den richtigen Weg zu kommen, finden wir schließlich das Nadelör. Über Zizur Mayor, Paternain, Larraya und Otazu kommen wir im Ort Etxauri über den Rio Arga und auf die N700. Sofort geht es lang steil bergauf. Und wie steil. Und wie lang. Im Hamstergang kämpfen wir uns Kilometer um Kilometer vorwärts. Aber wir werden belohnt. Schon unterwegs und erst recht auf der Passhöhe von Izurzu haben wir eine Aussicht wie selten. Grandios!

Nachdem wir auf der Passhöhe eine ausgiebige Pause gemacht haben werden wir gleich noch mal für den Aufstieg belohnt. Denn beim Bergauffahren zählt jeder Meter doppelt und jetzt gibt es dementsprechend eine viele Kilometer lange Abfahrt. Dabei wird das Landschaftsbild etwas flacher. Links und rechts der Straße wechseln sich Spargelfelder, Getreidefelder und große Flächen mit Weinreben ab. Hier wächst vor allen Dingen der sehr von uns geschätzte Tempranillo. Wir haben Spass bei dem Gedanken, dass wir den Wein der hier gerade reift in einigen Jahren zuhause trinken werden.

Am Himmel beobachten wir große Vögel, die wir für Adler halten. Die Landschaft und die wunderbare Natur entschädigen für jede Anstrengung. Gut, dass wir diese Route gewählt haben. Noch einige leichte Auf und Abs und dann rollen wir nach Estella ab.

Hier in Estella haben wir große Probleme die vorreservierte Pension San Andres zu finden. Ausser dem Namen wissen wir nichts. Keinen Strassennamen und auch sonst nichts Hilfreiches. Schließlich lassen wir uns von der Polizei helfen. Die Pension ist einfach aber ausreichend und mit 35.-- Euro für das Doppelzimmer äusserst günstig. Im übrigen ist es gut, dass wir mit Hilfe der freundlichen Rezeption in Pamplona hier vorgebucht haben. Wie wir erfahren, ist in Estella alles komplett ausgebucht.

Der Ort selbst ist gar nicht so klein. Der Baustil mit engen Gassen und recht hohen Häusern ähnelt Pamplona. Vor den vielen vorhandenen Bars sitzen zahlreiche Fuß- und Radpilger und schreiben ihre Tagebücher. An einer der Bars am Plaza los Fueros machen wir eine Pause. Helga möchte unbedingt Sangria trinken. Schließlich sind wir in Spanien. Und so bestelle ich ihr die kleinste lieferbare Menge. Als der Kellner den Literkrug auf den Tisch stellt ist das Gelächter im Umkreis groß. Aber mit meiner Unterstützung schafft sie die Menge.

Wir gehen weiter und besichtigen die Kirche San Miguel. Dann weiter auf der Puenta Romanico über den Fluss zur Calle La Rua. Hier gehen wir in die hübsch ausgestattete Pilgerherberge. Wir lassen uns den Stempel in unsere Pilgerausweise drücken und benutzen einen der beiden Internetterminals, um unser Onlinetagebuch zu aktualisieren. Im an die Pilgerherberge angrenzenden Restaurant reservieren wir uns einen Platz für das spätere Pilgeressen.

Das Pilgeressen beginnt um 19.00 Uhr. Es gibt Salat, Spaghetti mit Tomatensauce, wahlweise ein Stück Fisch oder ein Hünerbein, Kartoffeln, Brot und Wasser. Als Nachtisch Eis oder einen Apfel. Und das alles für komplett zehn Euro pro Person. Kann man doch nicht meckern. Beim Essen lernen wir Herbert aus Ostfriesland kennen. Herbert ist 71 Jahre alt und geht den Weg alleine zu Fuß. Einmal musste er unterwegs bereits im Wald schlafen, weil die Herbergen alle voll waren und er den Weg bis zur nächsten nicht mehr geschafft hat. Aber das hat ihn nicht mürbe gemacht. Er geht weiter pro Tag seine 20 bis 25 Kilometer. Dieser Mann ist einfach nur mutig. Spricht kein Wort in Spanisch, Englich, Französisch oder so. Geht einfach los und kriegt das alles schon hin. (PS.: Nachtrag. Wer kennt Herbert und hat eine Kontaktadresse? Wir würden gerne noch mal mit ihm sprechen, haben aber keine Adresse.)

Insgesamt ist das Pilgeressen eine lustige Sache. Man wird halbwegs preiswert satt und trifft Leute mit denen man sich austauschen kann. Die Bar ist rappelvoll mit Pilgern. Es ist laut und fröhlich. Hat Spass gemacht das zu erleben.

Jakobsmuschel zurück
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Abschnitt 1. Ruhr und Rhein. Von Dortmund bis Koblenz.

Abschnitt 2. Die Mosel. Von Koblenz bis Metz.

Abschnitt 3. Über Land. Von Metz zur Loire.

Abschnitt 4. Die Loire. Von Cosne bis Nantes.

Abschnitt 5. Der Atlantik. Von Nantes bis Biarritz.

Abschnitt 6. Biarritz - St. Jean Pied die Port

Abschnitt 7. Der Camino Frances. Von St. Jean Pied de Port bis Santiago de Compostela.



Impressum:
Armin Emmerich
Kosselstr. 45
44369 Dortmund. mailto@armin-emmerich.de

Bilder des Tages
Nichts für Weicheier
Jakobsweg Alternativroute über die Berge
Aussichtspunkt auf der Passhöhe.
Nichts für Weicheier...
...unsere Alternativroute über die Berge.
Aussichtspunkt auf der Passhöhe.

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1 Tag
Kleiner Stop bei der Abfahrt.
Tempranillo Trauben für 2018.
Kleiner Stop bei der Abfahrt.
Tempranillo Trauben für 2018.

Tagestelegramm
Startort - Zielort Pamplona - Estella
Unterkunft am Zielort Pension San Andres
Bemerkung zur Unterkunft Eigentlich eine hübsche und preiswerte Unterkunft. Aber die Betten...
Tagesleistung in KM 52
Gesamt - KM bis hier 2366
Wetter Bewölkt, später heiter
Besonderheiten Wir essen unser erstes Pilgermenue und treffen Herbert aus Ostfriesland.

Estella
Sangria
Über den Dächern von Estella
Links ist die Pilgerherberge von Estella.
Unser erstes offizielles Pilgeressen.
Speisekarte für das Pilgeressen
Blick von der Pension San Andres in die Strassenschlucht.
Helga bekommt Ihren Sangria. Mindestmenge 1 Liter.
Über den Dächern von Estella.
Links ist die Pilgerherberge von Estella.
Unser erstes offizielles Pilgeressen.
Peregrino = Pilger. Speisekarte für das Pilgeressen.
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