
Reine Nervensache - Auf der N120 nach Belorado.
Aus Logrono raus zu kommen ist gar nicht so einfach. Der Ort ist Richtung Burgos irgendwie zu. Nur Autobahnen und Schnellstrassen. So orientieren wir uns am Camino Wanderweg und kommen so gut bis Navarrete. Dann wird es jedoch etwas schwierig. Der Wanderweg wird tatsächlich zum reinen Fußweg was für uns beschwerliches Schieben der bepackten Räder bedeutet. Etwa 5 Kilometer hinter Navarrete sind wir es leid. Wir nutzen die erste Möglichkeit um zur N120 durchzukommen und benutzen ab dort den Randstreifen der stark befahrenen Nationalstraße. Reine Nervensache! Das ist hier jetzt nicht schön, auch wirklich gefährlich, aber wenigstens kommen wir gut vorran. In Najera verlassen wir kurz die Schnellstraße und machen Mittagspause an der Brücke über den Rio Najerilla, fahren dann aber wieder auf der N120 weiter bis Santo Domingo de la Calzada.
In Santo Domingo de la Calzada fahren wir in den Ort ein und im Zentrum zur Kirche. In dieser Kirche werden Hühner gehalten und dazu gibt es eine schöne Geschichte:
Das Hühnerwunder von Santo Domingo de la Calzada.
Der Legende zufolge soll ein Ehepaar aus Deutschland auf dem Weg nach Santiago de Compostela mit ihrem Sohn in einer Herberge des Ortes Rast gemacht haben. Die Wirtstochter verliebte sich in den Sohn und versuchte ihn zu verführen, was ihr jedoch nicht gelang, denn er blieb standhaft - befand er sich doch auf einer religiösen Reise. Aus verletztem Stolz schmuggelte sie ihm einen Silberbecher in das Gepäck, um ihn bei seiner Abreise des Diebstahl zu bezichtigen. Da die Beweise für sich sprachen, wurde der junge Mann zum Tode verurteilt und erhängt. Seine Eltern setzten die Reise nach Santiago fort und flehten den Heiligen Jakobus um Hilfe an. Auf ihrem Rückweg kehrten die Eltern nach 36 Tagen zum Galgen zurück, an dem noch immer ihr Sohn hing- lebendig. Es heißt Santo Domingo habe ihn die ganze Zeit an den Beinen gehalten, um den Tod eines Unschuldigen zu verhindern. Die Eltern eilten daraufhin zum Richter, um Gnade für ihren Sohn zu erbitten. Der Richter, der gerade bei seinem sonntäglichen Mittagsmahl, aus einem Paar gebratener Hühner bestehend saß, entgegnete ihnen, dass der Sohn tot sei, so tot wie die Hühner auf seinem Teller. In diesem Moment erhoben sich die Hühner und flogen gackernd davon. Der Jüngling wurde vom Galgen genommen.
So weit die Legende. Wir stürzen uns jedoch nach kurzem Aufenthalt wieder zurück in die Gefahren der real existierenden Welt und das heißt in diesem Fall auf die N120 Richtung Tagesziel Belorado. Unterwegs passieren wir die Grenze nach Kastilien, genauer nach Castilla y Leon. Schlagartig ändert sich das Landschaftsbild. War bis zu dieser Regionalgrenze riojatypisch Weinanbau absolut dominierend, sehen wir nun keine einzige Weinrebe mehr. Plötzlich fahren wir durch eine Landschaft die ausschließlich von Getreidefeldern dominiert wird.
Nach 72 Kilometern erreichen wir Belorado. Bei der Suche nach unserem Hotel kommen wir bei der örtlichen Pilgerherberge vorbei und lassen uns gleich unseren Pilgerstempel verpassen. Dann finden wir auch das Hotel. Heute mal wieder eine extrem einfache, schon etwas grenzwertige Pension. Was solls. Wir ziehen ein, duschen, waschen und bereiten uns auf unsere übliche Ortsbesichtigung vor. Als wir das Haus verlassen wollen, entdecken wir in einer Ecke doch tatsächlich ein Internet-Terminal. So nutzen wir schnell die Gelegenheit, unseren Reisebericht zu aktualisieren. Die Tastatur ist schon etwas igitt, aber alles hätte ich in dieser Bruchbude erwartet, nur keinen Internetzugang.
Bei der Ortsbesichtigung finden wir einen ganz netten Ort vor. Belorado bereitet sich auf sein Stadtfest an diesem Wochenende vor. Um nicht zu lange auf unser Abendessen warten zu müssen, nehmen wir auch hier wieder am Pilgeressen teil. Für 8,00 € (in Worten: Acht Euro) pro Person gibt es Paella als Vorspeise, Kalbsschnitzel mit Pommes als Hauptgericht, Obstsalat als Nachtisch, dazu eine halbe Flasche Tinto pro Nase und natürlich Brot. Unglaublich.
Nach dem Essen gehen wir noch in eine Bar am Rande des Dorfplatzes. Helga trinkt einen Martini und ich einen großen Osborne Veterano Brandy. Wir bezahlen zusammen 3,00 Euro. Das halten wir nun aber doch für einen Irrtum. Wir weisen den Wirt darauf hin, dass er sich vertan hat und das doch sicher zu wenig ist. Er sagt jedoch, dass drei Euro richtig seien. Wenn wir es richtig verstanden haben, ist das ein verbilligter Preis während des Stadtfestes. Vielleicht muss man sich zu diesem Anlass billig besaufen können.
Wir kehren in unser Hotel zurück und nehmen einen letzten Absacker in der zum Hotel gehörenden Bar. Mein Gott! In dieser Hütte würde ich unter normalen Umständen kein Glas anrühren. Offensichtlich haben wir inzwischen genügend Gelassenheit gesammelt um auch das zu schaffen. Und nun reicht auch die Bettschwere aus. Mal sehen, ob wir unter oder nicht doch lieber auf der Decke schlafen werden.
Abschnitt 2. Die Mosel. Von Koblenz bis Metz.
Abschnitt 3. Über Land. Von Metz zur Loire.
Abschnitt 4. Die Loire. Von Cosne bis Nantes.
Abschnitt 5. Der Atlantik. Von Nantes bis Biarritz.
Abschnitt 6. Biarritz - St. Jean Pied die Port
Abschnitt 7. Der Camino Frances. Von St. Jean Pied de Port bis Santiago de Compostela.
| Startort - Zielort | Logrono - Belorado |
| Unterkunft am Zielort | Hotel Belorado |
| Bemerkung zur Unterkunft | Sehr billige und einfache Unterkunft. Grenzwertig |
| Tagesleistung in KM | 72 |
| Gesamt - KM bis hier | 2488 |
| Wetter | Mehr bewölkt als heiter. 17 °C |
| Besonderheiten | Hier braucht man nicht viel Geld, dafür eine gewisse Gelassenheit. |
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