
In der Ruhe liegt die Kraft.
Wir starten mit einem spanientypischen Frühstück in unserer Pension in den Tag. Eine Tasse Kaffee und dazu ein vor Urzeiten in Plastikfolie eingepacktes süßes klebriges Gebäckteil. Aber etwas Unverpacktes hätte ich hier auch gar nicht essen wollen.
Nach dem Beladen der Räder fahren wir noch kurz in den Ort um etwas Tagesproviant einzukaufen, dann geht es los auf unserer heutigen Etappe nach Burgos. Für die Streckenführung haben wir drei Alternativen. Entweder weiter auf der N120, schlappe 40 Kilometer bis Burgos aber sehr verkehrsreich und über den Puerto de la Padroga mit einer Höhe von 1150 Metern. Oder links der Nationalstraße über eine landschaftlich sehr schöne Strecke, etwa 55 Kilometer über den Puerto el Matorro mit einer Höhe von 1160 Metern. Oder wir folgen einer caminonahen fahrradtauglichen Alternativroute rechtsseitig der Nationalstraße, etwa 65 Kilometer mit weiß Jacobus wievielen Steigungen und Höhenmetern. Wir fühlen uns stark und entscheiden uns für die dritte Alternative. Und es hat sich gelohnt. Zum Glück fahren wir bei bewölktem aber trockenem Wetter und bergtauglichen 14 Grad, denn die Anstiege sind heftig und erwärmend. Die Landschaft ist mal wieder unbeschreiblich schön.
Die Fahrt geht über Tosantos, Villalomez, Villalmondar, Cerraton und Hiniestra zum Convento San Juan de Ortega. Hier hoffen wir auf einen Pilgerstempel, doch daraus soll nichts werden. Bei der Anfahrt wundern wir uns schon über die vielen Autos in dieser eigentlich völlig menschenleeren Gegend auf diesen Sträßchen, die mehr Feldwege als richtige Straßen sind. Als wir uns dem Convento nähern denken wir, wir sind auf dem Großparkplatz eines Fußball-Bundesligavereins 15 Minuten vor dem Anstoss gelandet. Die Situation erschließt sich, als wir kurz darauf am Convento eintreffen. Just in diesem Moment startet die größte Prozession, die wir jemals irgendwo gesehen haben. Feierlich und endlos lang. Dummerweise geht die Prozession genau in die Richtung, in die wir weiter müssen. Daraus wird nun erst mal nichts und wir haben Zeit, müssen halt warten. Da natürlich alles, was irgendwie offiziell ist, an der Prozession teilnimmt, können wir unseren Pilgerstempel hier vergessen.
Irgendwann ist es dann aber soweit. Die Menschenmassen sind abgezogen und wir können weiter. Noch einmal kreuzt der Weg die N120, dann geht es über Arlanzon nach Castrillo del Val, wo wir noch mal einen gewaltig steilen und langen Anstieg bewältigen müssen. Nach gut 60 Kilometern rollen wir endlich in die Randbezirke von Burgos ein.
Inzwischen hat mir mein Fahrrad die Bergetappen übel genommen. Seit gestern knackt das Tretlager mit zunehmender Tendenz. Die drei vorderen Zahnkränze laufen nicht mehr exakt rund. Das wiederum führt dazu, daß die Kette unter Druck wegspringt. Wenn das oft passiert, wird die Kette reißen. Von Fahrspass kann unter diesen Bedingungen ohnehin keine Rede sein. Das Problem ist, dass dieser Schaden nicht mal eben so zu reparieren ist. Ein neues Tretlager, neue Kurbeln, neue Zahnkränze vorne und hinten, eine neue Kette und neue Schaltritzel sind fällig. Das geht unterwegs nicht. Ich werde am morgigen Ruhetag in Burgos versuchen alles so einzustellen, dass ich mich die letzten 600 Kilometer durchhungern kann. Gelingt das nicht, ist ein neues Rad fällig, aber dass will ich wenn irgend möglich vermeiden.
In Burgos angekommen suchen wir unser reserviertes Hotel. Nicht ganz so einfach, denn hier tobt das Wochenendleben. Zudem ist mit meinem Rad das dauernde Anfahren im Stadtverkehr nicht möglich. So schieben wir durch die Straßen und werden endlich fündig. Zum ersten Mal auf unserer Reise hat das Hotel keinen Abstellplatz für Fahrräder. So bekommt mein Rad einen "Hospitalplatz" in unserem Zimmer direkt neben meinem Bett und Helgas Rad mache ich im Treppenhaus fest. Das alles übrigens in der vierten Etage und einem extrem engen Treppenhaus.
Bei unserer Stadtbesichtigung stellen wir fest, daß auch in Burgos an diesem Wochenende Stadtfest ist. Wir sehen den bunten Trachtengruppen bei einem Umzug zu und genießen ein Getränk im Sonnenschein. Zum Abendessen nehmen wir etwas Leichtes in einer Art spanischem Schnellrestaurant und dann ist es auch genug für heute.
Abschnitt 2. Die Mosel. Von Koblenz bis Metz.
Abschnitt 3. Über Land. Von Metz zur Loire.
Abschnitt 4. Die Loire. Von Cosne bis Nantes.
Abschnitt 5. Der Atlantik. Von Nantes bis Biarritz.
Abschnitt 6. Biarritz - St. Jean Pied die Port
Abschnitt 7. Der Camino Frances. Von St. Jean Pied de Port bis Santiago de Compostela.
| Startort - Zielort | Belorado - Burgos |
| Unterkunft am Zielort | Hotel Puebla |
| Bemerkung zur Unterkunft | Nettes, zentral gelegenes Hotel. Keine Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder. |
| Tagesleistung in KM | 65 |
| Gesamt - KM bis hier | 2553 |
| Wetter | Von stark bewölkt und kalt bis sonnig und warm. |
| Besonderheiten | Mein Fahrrad schläft an meinem Bett. |
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